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Frontend Conference 2016

von Michael Jossen
09.09.2016

Digitales Leben Design Entwicklung Konferenz

Letzte Woche fand in Zürich die sechste Frontend Conference statt. In einer alten Papierfabrik mitten in Sihlcity, wurde während zweier Tage von Frontend-Experten rund um den Globus über die Entwicklungen im Web-Bereich gesprochen.

Über 400 Web-Entwickler, Grafiker und weitere Interessierte fanden sich an den ersten beiden Septembertagen in den alten Fabrikhallen an der Sihl ein. Für mich war es die erste «Conference» und eher aus Zufall kam ich an eines der begehrten Tickets, welche man sich lange im voraus sichern musste. Daher war die Spannung darüber, was mich da erwarten würde noch etwas grösser. Beim Eintritt am Donnerstag Morgen erhielt jeder Teilnehmer einen Willkommens-Beutel mit teilweise nützlichen, aber auch unnötigen Sponsoren-Geschenken. Denn um den Anlass mit den rund zwanzig Sprechern aus aller Welt zu finanzieren, sind neben Eintritts- auch Sponsorengelder von Nöten. Die Geldgeber erhalten im Gegenzug die Möglichkeit ihre Produkte an Ständen zu präsentieren und machten beispielsweise mit süssen Erfrischungen in Form von Glacé oder auch Popcorn auf sich aufmerksam.

Die zweitägige Conference wurde mit einer Keynote durch Andy Clarke eröffnet. Andy Clarke dürfte einer der besten oder zumindest einer der berühmtesten Webdesigner Europas sein und arbeitete beispielsweise bereits bei BBC als Art Director, veröffentlichte Bücher und moderiert einen regelmässigen Podcast zum Thema Web-Design. Dank seinem Know-How wurde er schon zu Dutzenden Anlässen eingeladen und war deshalb auch ein idealer Start-Redner. Der Inhalt seines Vortrages war weder eine Offenbarung, noch eine Anleitung für die perfekte Website. Vielmehr versuchte er das Bewusstsein der Anwesenden, darüber zu stärken, was gutes Webdesign ausmacht. Seine Präsentation zeigt nicht schlecht auf, worum es an der Conference ging.

Mit anschaulichen Beispielen demonstrierte Clarke, dass es mit wenigen Anpassungen möglich ist die Webseiten-Inhalte komplett anders darzustellen und von den 0815-Webdesigns abzuweichen.

Als Designer und Entwickler habe man die Möglichkeit das Internet mitzugestalten und stünde deshalb auch in einer gewissen Verantwortung. Inhalt und Layout dürfen nicht getrennt betrachtet werden, was seiner Ansicht nach aber zu oft der Fall sei und deshalb die Vielzahl der Webseiten sich nur unwesentlich voneinander unterscheiden. Es müsse der Ansporn aller Entwickler und Web-Designer sein sich von den anderen abzuheben.

Sein sehenswerter Vortrag ist mittlerweile, wie alle anderen, online zu finden:

Nach der Eröffnungsrede startete die eigentliche Conference. Weil aber nicht jeder Vortrag für jeden Entwickler und Grafiker gleichermassen interessant ist, konnte man sich jeweils für eine von zwei zeitgleich stattfindenden Präsentationen entscheiden und sich in die jeweilige Halle oder in eine der Lounges setzen, wo beide live übertragen wurden. In der eigens für die Conference entwickelten App war der Kalender jederzeit abrufbar und sie war ein gutes Mittel zur Entscheidungsfindung. Die App bietete zudem die Möglichkeit sich mit anderen Teilnehmern auszutauschen und dem Veranstalter direkt Feedbacks zu geben. All dies hätte wohl auch ohne App funktioniert, aber eine App ist eben doch etwas cooler und passender.

Sketchnotes by Eva Lotta Lamm

Insgesamt hielten um die zwanzig Personen jeweils einstündige Vorträge über Design, Programmierung, Arbeitsprozesse und Psychologie. Mit wenigen Ausnahmen, wussten allesamt zu gefallen. An keinem der Vorträge wurden Welt-Neuheiten verkündet, noch wurde das Internet neu erfunden. Vielmehr wurde das Bewusstsein dafür gestärkt, was wirklich wichtig ist und in der Zukunft wichtig sein wird. Obschon man einige Themen bereits Monate zuvor in einem Blog oder auf einer branchentypischen Informationsseite gelesen hat, ist es doch etwas ganz anderes, wenn jemand über dieses Thema referiert und man den Enthusiasmus und die Notwendigkeit nicht zwischen den Zeilen suchen muss. Das Internet ist schnelllebig und innerhalb eines einzigen Jahres kann sich derart viel verändern, dass man rasch den Anschluss verlieren kann, wenn man sich nicht regelmässig mit den Neuerungen beschäftigt. Ohne privates Interesse und Eigeninitiative ist es sowieso schwierig überhaupt mitzuhalten. Etwas, das heute noch aktuell und «Best Practice» ist, kann in einem halben Jahr schon veraltet sein. Die Schwierigkeit am Ganzen ist es, sich die Informationen immer und immer wieder selber zu besorgen, ohne wirklich zu Wissen in welche Richtung die grossen Konzerne um Google und Co. gehen werden. Die Mehrheit der Redner arbeitet in einem global agierenden Unternehmen oder Umfeld und können hinter die Kulissen blicken oder direkt Einfluss auf die Entwicklung nehmen. Von daher ist deren Wissen unersetzbar.

Es sollen hier nicht alle Vorträge zusammengefasst werde, aber als Beispiel soll eines meiner persönlichen Highlights erwähnt werden. Vitaly Friedman, Mitbegründer des, Frontend-Entwicklern bekannten, Blogs Smashing Magazine und Ikone auf seinem Gebiet, wartete mit seinem Vortrag «Dirty Little Tricks From The Dark Corners Of Front-End» auf. Der Titel versprach nicht zu viel. In fast schon teuflischer Manier zeigte er auf, was es sich mit den sich bietenden und simpelsten Werkzeugen anstellen lässt. Seine Präsentation enthielt über 500 (!) Folien und er liess es sich nicht nehmen am Ende des ersten Tages weit über seine Vortragszeit hinaus zu referieren. Mit einer riesigen Begeisterung und einer kindlichen Faszination zeigte er den Zuhöhrern auf, was alles möglich ist. Und er zeigte, dass eigentlich nichts unmöglich ist und nur eine Frage des Aufwands ist. Mit einer Leichtigkeit nutzte, beziehungsweise missbrauchte, Friedman die Code-Konventionen von CSS für seine Zwecke. Er ist ein Künstler und in seinem Element, wenn er von den sich stellenden Aufgaben und seinen Lösungen schwärmt. Die Begeisterung ist für Aussenstehende sicherlich nicht gleichermassen nachvollziehbar, wie für einen Entwickler, aber dennoch wirkt sie wohl auch auf Ungeübte ansteckend. Wir hätten wahrscheinlich auch noch die restlichen 300 Folien angetan, hätte er nicht irgendwann selber den Stecker gezogen hätte.

Schlussendlich bleibt die Frage, was man aus dem Anlass mitnehmen kann. Denn man kann alles über die diskutierten Themen schon vorher über das Internet in Erfahrung bringen. Aber wer hat heutzutage schon Zeit 20h an Material nebenbei zu hören, geschweige sich mit etwas Spezifischem länger auseinanderzusetzen? Die Beiträge sind amüsant und es ist beinahe eine familiäre Atmosphäre spürbar.

Es herrscht ein Wir-Gefühl, dem man sich nicht entziehen kann. Die Kreativität der Menschen im Raum ist spürbar. Und aus den Leuten hinter dem Podium spricht die Faszination für die Technologie. Und das ist ansteckend und inspirierend.

Das Internet bietet eine Macht, die jeder für sich beanspruchen kann. Innerhalb weniger Jahre entstanden aus kleinen Gruppen an Programmierern riesige weltbeherrschende Konzerne. Aus einer Idee kann nicht nur Unmengen an Geld gescheffelt, sondern kann vielen Menschen Hilfe geboten werden. In der FrontendConf geht es als aller Erstes darum, Prozesse zu vereinfachen. Genauso wichtig ist allerdings, aufzuzeigen, dass Kreativität mit einigen Tricks lernbar ist und jeder Mensch fähig ist kreativ und innovativ zu handeln. Sich das ab und zu ins Bewusstsein zu rufen ist sicherlich nicht schlecht und kann ganz bestimmt für die tägliche Arbeit übernommen werden.