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Ist der Darkmode wirklich das neue Schwarz?

von Thierry Guidicelli
12.02.2020

Blog Design

Mit dem Aufkommen von Trends verändert sich die Welt um uns herum ständig und mit ihnen auch die Art und Weise wie Websites oder Apps daherkommen.

Als Designer verfolgen wir solche Trends auf Schritt und Tritt – und was sich 2019 als Trend abzeichnete, hat sich nun fest in unseren täglich zum Einsatz kommenden, digitalen Produkte integriert: der Darkmode.
Doch dieser ist keineswegs eine neue Erfindung, sondern feiert eigentlich gerade sein Comeback. Wenn wir uns ein paar Jahrzehnte zurückbesinnen – was mir als Millennial zugegebenermassen etwas schwer fällt – dann erinnern wir uns vielleicht noch an die monströsen Monochrom-Computer, dessen Bildschirme grüne Schrift auf schwarzem Grund aufwiesen, die unzähligen Teletext-Seiten, auf denen sich unsere Eltern in den 90er-Jahren über aktuelle Sportresultate oder Verkehrsinformationen informierten und nicht zuletzt auch an die Programmierer, die ihren Code seit Anbeginn der digitalen Zeit im Darkmode schreiben.

Geändert haben sich diese Produkte erst in den Achtzigerjahren, als immer mehr Firmen ihren Computer-Betriebssystemen weisse Hintergründe mit schwarzer Schrift anboten, was das Aussehen von Tinte auf Papier simulieren sollte.

Bild von altem Computer mit grüner Schrift auf schwarzem Hintergrund
Quelle: Unsplash.com

Was treibt die jüngste Besessenheit der Allgemeinheit des Darkmodes an?

Bei Spotify ist er seit 2010 Standard, die Adobe Creative Suite bietet die meisten ihrer Produkte seit 2013 wahlweise im Darkmode an, Twitter-Anhänger können ihn seit 2017 verwenden und mit dem macOS Mojave von 2018 und dem im Herbst 2019 veröffentlichtem iOS13, kam der Darkmode bei der breite Masse wohl endgültig an. Die Beobachtungen, die ich in meinem Umfeld machen konnte, waren überwiegend dieselben: Eine grosse Mehrheit meiner Freunde und Bekannte sind auf den Darkmode-Zug aufgesprungen und schwören darauf. Die Gründe sind alle identisch: sei es das «modernere und zeitgemässere» Erscheinungsbild, die weniger harten und hellen Töne wenn sie nachts in ihre Smartphone-Displays starren, die längere Akkulaufzeit oder die Schonung der Augen.

Das moderne Erscheinungsbild mag Geschmacksache sein und die längere Akkulaufzeit ist sicherlich ein gutes Argument (ist jedoch nur bei den neusten OLED-Displays zutreffend), doch beim Argument der besseren Lesbarkeit und Schonung der Augen, gehen die Meinungen immer mehr auseinander.

screenshots von darkmode und lightmode nebeneinander als vergleich
Quelle: Screenshot Apple iOS13

Ist der Darkmode wirklich besser für das Auge?

Da es zu diesem Thema insgesamt noch wenig Forschung gibt, lässt sich diese Frage vorerst nicht abschliessend beantworten. Da Displays im Darkmode weniger Licht abgeben als solche im Lightmode, gehen viele Menschen automatisch davon aus, dass er eben auch gesünder sein muss. Doch in Bezug auf unsere Wahrnehmung spielt die Lichtmenge der Umgebung eine entscheidende Rolle. Dazu ein kurzer Exkurs wie unsere Augen funktionieren:

Unsere Augen besitzen die Fähigkeit, sich unterschiedlichen Lichtverhältnissen anzupassen. So wird gewährleistet, dass wir uns in dunklen wie auch in hellen Umgebungen zurechtfinden. Bei diesem Vorgang sprechen wir vom sogenannten Pupillenreflex: Die Grösse der Pupille verändert sich je nachdem, wie viel Licht vorhanden ist. Bei wenig Licht wird unsere Pupille grösser, damit das Auge mehr wahrnehmen kann, bei viel Licht wird sie kleiner, damit wir nicht geblendet werden. (vgl. Artikel Simplyscience)

Befindet man sich also in einer hellen Umgebung und betrachtet einen Bildschirm, welcher wenig Licht aufweist, fällt es dem Auge schwerer sich den Gegebenheiten zu adaptieren, Details zu erkennen oder Texte zu lesen, was zu einer schnelleren Ermüdung des Auges führen kann.

Was sagen die Studien?

Man geht davon aus, dass der Darkmode die Lesbarkeit und Produktivität der User eher beeinträchtigt als fördert. In einer Studie aus dem Jahr 2003 wurde untersucht, wie unterschiedliche Aufgaben zu unterschiedlichen Bildschirmdarstellungs-Bedingungen, einschliesslich dem Light- und dem Darkmode, durchgeführt werden. Dabei wurde festgestellt, dass die Mehrheit der Testpersonen die gestellten Aufgaben leichter erledigen konnten, wenn die Bildschirme im Lightmode waren. Eine weitere Studie aus dem Jahre 2013, bei welcher sowohl jüngere wie auch ältere Menschen auf die Auswirkung der Bildschirmdarstellung untersucht wurden, führten die Teilnehmer einen Sehschärfe-Test im Darkmode und im Lightmode durch. Zusätzlich wurden sie gebeten, eine Korrekturlese-Aufgabe unter denselben Bedingungen durchzuführen. Bei beiden Altersgruppen wurden mehr Erfolge im Lightmode verzeichnet.

Die positiven Ergebnisse des Lightmodes sind wohl darauf zurückzuführen, dass sich die Pupille bei helleren Lichtverhältnissen stärker zusammenzieht, was zur Folge hat, dass eine grössere Schärfentiefe und damit insgesamt eine bessere Fähigkeit entsteht, sich auf Details zu konzentrieren, ohne dabei die Augen zu ermüden.

Natürlich ist hier anzumerken, dass beide Studien schon einige Jahre zurückliegen und die Forschung von heutigen Darkmodes noch wenig fortgeschritten ist. Es ist denkbar, dass moderne Darkmodes und ihre Auswirkungen auf die Usability und insbesondere der Lesbarkeit anders ausfallen können, dies wird sich in Zukunft zeigen.

Bild von einer Grafik die zeigt, dass der Lightmode besser abschneidet als Darkmode.
Quelle: Studie «Positive display polarity is advantageous for both younger and older adults» Semanticscholar.org

Come to the Dark Side?

Der Darkmode geniesst gerade seine Blütezeit und es gibt definitiv eine Debatte darüber, welche Hintergrundfarbe besser für die Grundlagen der Benutzerfreundlichkeit geeignet ist. Auch wenn die Betrachtung eines dunklen Bildschirms bei hellem Umgebungslicht wohl nicht die beste Option ist, belebt die Tatsache, dass Apple und andere Riesen den Darkmode der breiten Masse zugänglich gemacht haben, die Diskussion darüber, wie unsere Bildschirme am gesündesten für unsere Augen funktionieren.

Spannend bleibt also abzuwarten, wie sich der Darkmode-Trend in Zukunft entwickeln wird. In den meisten Alltagssituationen wird er wohl für die meisten Menschen kaum zur Steigerung der Produktivität oder zu einer Schonung der Augen beitragen, sondern bleibt ein trendiges Feature eines digitalen Produkts. Doch egal ob man sich für den Darkmode oder den Lightmode entscheidet, wenn die Augen schmerzen, sollte nicht in erster Linie das Design, sondern auch die Zeit, die man damit verbringt in einen Bildschirm zu starren, hinterfragt werden.