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Japan und die Roboter

von Thomas Niederberger
18.12.2016

Digitales Leben

Kaum in Shinjuku, Tokio, angekommen werde ich überflutet von Werbeanzeigen in den wildesten Neonfarben, Schriftzügen, die ich nur mit viel Fantasie verstehe und einem Geruch der mir doch eher fremd aber geheimnisvoll gut vorkommt.

Eines fällt mir aber sofort auf und dies war mitunter einer der Gründe nach Japan zu fliegen: Elektronik immer und überall. Ich bin neugierig: Wie weit ist die Entwicklung fortgeschritten? Wie gross ist der Unterschied im rund 10‘000 km entfernten Japan? Auf den ersten Blick erscheint mir alles wie eine Mischung aus Spiel und Realität. Ich kann es nur ansatzweise einordnen und ganz alles verstehe ich auch nicht. Muss ich ja auch nicht. Noch nicht einmal im Hotel angekommen, sehe ich einen riesigen Gozilla, der vom gegenüberliegenden Hochhausdach zu mir rüber schaut, Durchaus speziell aber eigentlich recht cool. Das Badezimmer im APA Hotel lässt mich wiederum eher komisch schauen. Ein Closomat mit etlichen Knöpfen, natürlich alles auf japanisch beschriftet, und eine Mischbatterie, die man erst verstehen muss, da diese komplett gekoppelt ist mit der Dusche. Falscher Hahn und man wird von der Seite angespritzt.

Vieles hatte ich mir vorgängig im Internet bereits angeschaut, gesucht wo ich die neuesten Gadgets finde und dies ist auch mein Plan für die Tage in Tokio. Ich fahre also nach Akihabara, bekannt für alle möglichen elektronischen Geräte. Nach den ersten paar Geschäften fällt mir sofort auf, dass die angebotenen Geräte sich kaum von zu Hause unterscheiden, einzig die VR-Brillen sind omnipräsent. Diese enorme Marketingflut für die neue Technik ist mir bis dato zu Hause noch nicht aufgefallen. Neugierig will ich das neue Spieleerlebnis testen, erst die HTC Vive. Bei der Demo-Spielauswahl entscheide ich mich für Arizona Sunshine, ich kriege also die Brille, zwei Kontroller die sich anfühlen wie die Ringe im Geräteturnen und los geht es. Ich tauche ein in die virtuelle Welt und finde mein erstes VR-Gameplay absolut atemberaubend, es ist so realistisch und irgenwie auch etwas schockierend wenn die Zombies und Monster auf einen zuspringen und virtuell zerfleischen. Das spannende sind für mich die beiden Controller, die sich vor der VR-Brille in Waffen verwandeln. Man schaut an sich herunter, erwartet die beiden Ringe und sieht etwas komplett anderes. Betrieben wird die HTC Vive von einem rechenstarken Game PC mit Wasserkühlung, Neonbeleuchtung und allem was man haben will. 

Die nächste VR-Brille, die ich ausprobiere, ist die Sony PlayStation VR. Der klare Unterschied: Ich brauche lediglich die VR Brille zu kaufen, wenn ich bereits eine PS4 habe. Das komplette VR-Erlebnis ist eine Erweiterung für die Konsole. Das Gamepad als Spielesteuerung ist mir ja bereits bekannt – von daher noch recht chiq. Hier wähle ich GT Sport, muss aber nach 60 Sekunden abbrechen, mir wird es zu schwindlig, zu schnell bewegt sich alles um mich herum. Das Erlebnis ist aber super toll und absolut realistisch, kaum zu glauben.

Nun will ich mir aber noch das komplette VR-Erlebnis anschauen, vorgängig hatte ich von einem neuen VR Spiel namens «ZERO LATENCY VR» im Joypolis gehört. Der SEGA Amusement Park im Herzen von Tokio ist gleich neben dem Diver City – mit dem unglaublich Gundam Roboter vor dem Eingang. Auch hier denke ich: Wieso nicht? Eigentlich speziell, aber wieso nicht einen 4-Meter Roboter hinstellen anstelle eines Baumes oder eines Brunnens wie zu Hause? 

Mit fünf weitern Spielern betrete ich das Spielfeld. Komplett ausgerüstet mit VR-Brille, Kopfhörer und einer Art LaserTag Ausrüstung betrete ich das Spielfeld. Geschätzte 20 x 20 Meter mit einem Raster am Boden und Stützpfeiler in der Mitte. Mit der Brille aufgesetzt verwandelt sich aber der komplette Raum in eine Art Lagerhalle. Es liegen Fässer herum, etliche Stahlträger prangen von der Decke, brennende Fahrzeuge stehen da und nebenan meine Kollegen erkennbar als Soldaten. Von hier an ist es wie «The Walking Dead» in einer der ersten paar Staffeln ohne zu spoilen. Ich kann mich komplett bewegen im virtuellen Raum, sogar der Fahrstuhl ist benutzbar. Beim hochfahren bewegt sich der komplette Raum gegen unten, komplett realistisch. Es fürchtet mich sogar über die Plattform in den unteren Stock zu springen um mich nicht zu verletzten, so realistisch ist es. Ich muss also sagen, absolute Spitzenklasse und macht einfach nur Spass.

Kaum raus aus dem Gebäude entdecke ich den Kawasaki Robostage, ein brandneuer Showroom. Vier Roboter werden gezeigt und alle überzeugen in ihrer Art, obschon diese mehr oder weniger vordefinierte Bewegungen ausführen. Der erste Roboter übergibt mir einen Glasuntersatz, der zweite bereitet erst Pizza, dann Sushi zu und der Dritte zeichnet mit einem Stift mein Gesicht, nachdem ich vorgängig fotografiert wurde. Der vierte Roboter ist lediglich zu Anschauungszwecken hier, er demonstriert eine industrielle Fertigung im Automobilbereich.

Weiter geht's in einen der grösseren Softbank Stores im Einkaufszenter nebenan. Softbank ist unter anderem ein japanischer Mobilfunk Anbieter. Ich hatte bereits einiges von Pepper gehört, aber noch nie einen gesehen. Pepper dient bei Softbank als Informationsterminal, aber auch zur Unterhaltung, wie mir auffällt.

Auf dem Weg dahin kreuze ich den Informationsstand im «Aqua City» Einkaufszenter und eine menschenähnliche Figur heisst mich willkommen und weist mir den Weg. Auch hier, gewisse vordefinierte Bewegungen aber alles in allem, echt toll gemacht und die Mimik enorm realistisch. 

Im Einkaufszenter schaue mich mir noch die Geräte von DMM an. Die meisten eher im Unterhaltungssektor aber mit enormen Ansätzen für die zukünftige Abzeichnung.

Nach einer grossartigen Woche mit tausend Eindrücken verlasse ich Tokio richtung Süden. Nach ein paar spannenden Tagen in Kyoto und Hiroshima erreiche ich den Huis Ten Bosch Park, gelegen zwischen Fukuoka und Nagasaki. Vorgängig hatte ich mir ein Zimmer im Henn na Hotel gebucht, das weltweit erste Hotel, das komplett von Robotern betrieben wird.

Der Checkin ist komplett automatisiert. Nachdem der Pass gelesen wurde, erfolgt die Zahlung direkt am Terminal. Die Quittung mit der Zimmer-Nummer wird gedruckt und der Badge beschrieben. Dieser Prozess ist mir in sämtlichen Hotels aufgefallen, welche ich besucht hatte. Dort erfolgte aber der Checkin manuell durch Personen. Nach dem Checkin sehe ich mich um und erkenne viele verwirrte Gesichter, die nun eine Zimmer-Karte erhalten haben aber nicht genau wissen, wo ihr Raum ist, da das Hotel aus mehreren Häusern besteht, die in sich nicht miteinander verbunden sind. Weiter vorne hat es einen Grundrissplan in Japanisch. Mehr oder weniger weiss ich nun, wo mein Zimmer ist. 

So mache ich mich auf den Weg und nutzte den Transport-Roboter, der nach Eingabe der Zimmernummer mit meinem Gepäck bis vor den Raum fährt. Karte an den Leser, und mein Gesicht wird mit dem System verknüpft. Für die zukünftigen Zimmerbetritte benötigte ich die Karte nicht mehr. Im Zimmer hat es einen kleinen Roboter der mir irgend etwas auf Japanisch erzählt und anschliessend auf Englisch wechselt. So eine Art iPhone Siri einfach in Roboter-Form. Ich teste es und lasse das Licht automatisch löschen, funktioniert. Bei den Ausflugstipps scheitert er aber. Ich versuche es später nochmals, kann ihn aber auch mit etlichen Versuchen nicht mehr aktivieren, obschon ich mein Bestes 今日は (Konnichiwa) ausspreche in allen möglichen Betonugsvarianten. Irgendwie will es nicht mehr klappen. Ob es nun an meinem fehlenden Sprachkenntnissen liegt oder an einer Missfunktionalität bleibt in den Sternen.

Ich schaue mich im Hotel noch etwas um, aber irgendwie ist es recht gespenstisch hier. Es hat keine einzige Menschenseele hier, obschon das Hotel ausgebucht ist. Restaurant hat es auch keines, nur einige Tische und nebenan Automaten, die mir alle möglichen westlichen Mahlzeiten zaubern könnten. Ich teste alles noch etwas aus und verlasse das Hotel richtung Park, denn ich möchte mir noch das Roboter Restaurant anschauen. Dort sind ganz viele Menschen und drei Roboter. Ich lasse mir einen Drink mixen und schaue mir an, wie der zweite Roboter Softeis zubereitet und der Dritte kocht. Charme haben die Maschinen ja keinen, aber faszinierend ist es allemal.

Als ich dann kurz vor Mitternacht zurückkehre, sehe ich einen Wachmann der die Roboter bewacht – welch eine Ironie. Das Hotel sowie das Restaurant sind super clever gemacht und haben aus meiner Sicht auch gute Ansätze, die in eine absolut spannende wenn auch etwas fragwürdige Zukunft laufen.

Nach zwei Nächsten verlasse ich dann das Hotel wie auch Japan und fliege von Fukuoka nach Seoul, Süd Korea für weitere spannende Abenteuer.

[PDF] Bericht in der HG-Zeitung vom 10.05.2017