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Wir müssen über Mobile First sprechen.

von Thierry Guidicelli
23.03.2020

Blog Design

Der Begriff Mobile First ist in aller Munde und für Web-Projekte immer mehr von Kunden gewünscht. Doch ist dieser Ansatz wirklich immer die richtige Vorgehensweise?

User surfen längst nicht mehr nur Zuhause am Desktop-Computer und mit dem Aufkommen der Smartphones, ist das Internet in der Hosentasche zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Gleichzeitig hat sich auch die Art und Weise wie wir Internet-Inhalte konsumieren grundlegend verändert. Tatsächlich besitzen heute 92% der Schweizer*innen ein Smartphone und surfen damit täglich im Internet. Smartphones werden immer wichtiger und der Mobile First-Ansatz scheint dabei die logische Antwort auf diese Entwicklung zu sein. Doch was ist mit den anderen Geräten?

Die Anfänge von Mobile First

Als vor etwas mehr als zehn Jahren der Mobile-Hype aufkam, schauten Website-Betreiber regelrecht in die Röhre. Auf einmal konnten Websites nicht mehr nur auf grossen Computer-Bildschirmen, sondern auch auf kleinen Geräten unterwegs aufgerufen werden. Vorbereitet auf diese neue Situation waren dabei die wenigsten. Mit Mühe und Not wurden umfangreiche, für den Desktop konzipierte Seiten kurzerhand auf kleine Bildschirmgrössen gequetscht. Das Ergebnis davon: überladene Websites mit schlechter Usability, die niemand wirklich lustig zu bedienen fand.

Mit dem einhergehenden Problem kam dann 2009 erstmals der Begriff Mobile First auf. Luke Wroblewski gilt dabei als Urvater dieser Bewegung. Die Idee davon ist es, zuerst die mobile Variante einer Website zu konzipieren und diese anschliessend «schnell, einfach und ohne grosse Mühe» auf die Desktop-Version zu adaptieren. Der Vorteil davon: Geplante Elemente können durch die beschränkten Platz-Verhältnisse besser priorisiert werden und auf unnötige Elemente wird gleich ganz verzichtet. So kann Usern auf Mobile Devices insgesamt eine bessere User Experience geboten werden.

Mann betrachtet Skizze von Mobile Wireframe an einem Flipchart
Quelle: Unsplash

Der heilige Gral oder die Büchse der Pandora?

Seit geraumer Zeit ist der Begriff nun regelrecht zu einem Buzzword geworden und viele Kunden wünschen sich den Ansatz auch für ihr Projekt. Doch so gut wie Mobile First auch klingen mag, der radikale Ansatz ist nicht automatisch die beste Herangehensweise für jedes Vorhaben. Desktop-Versionen leiden in den meisten Fällen massiv. So entstehen häufig grosse Weissräume, Distanzen zwischen klickbaren Elementen vergrössern sich unnötig und Elemente, die im Layout eigentlich problemlos Platz fänden, bleiben verborgen.

Bei der Wahl einer Mobile- oder Desktop-Strategie sind Zielgruppen und Absatzkanäle von massgebender Bedeutung. Ein Beispiel: Wenn ein Unternehmen den grössten Teil ihres Umsatzes über die Mobile-Version ihres Webshops verzeichnen kann, macht es natürlich Sinn, sich auf Mobile zu konzentrieren. Uber ist dabei ein hervorragendes Exempel: Kaum jemand – man möge mir widersprechen – wird sich ein Uber-Taxi von Zuhause via Desktop-Computer bestellen, da das Bedürfnis meist geweckt wird, wenn man unterwegs ist. Die User zücken ihre Smartphones, geben ihren gewünschten Zielort ein und klicken auf «Uber bestellen» – einfacher gehts nicht! (Übrigens wusste ich bis zum Verfassen dieses Blogbeitrages nicht, dass man sich ein Uber-Taxi vom Laptop aus bestellen kann, soviel dazu.) Der Mobile First-Ansatz macht im Uber-Beispiel also definitiv Sinn.

Sehen die Umstände aber anders aus, läuft man damit Gefahr, ganze User-Gruppen zu frustrieren. So kann man nicht ein Mobile First-Konzept entwickeln und dann erwarten, dass es für Desktop-User ebenfalls irgendwie funktionieren wird. Es gilt die User und deren Bedürfnisse zu kennen!

Screenshots von Uber-Website und Uber-App
Quelle: Screenshot Uber

Journey Driven Design

Um Usern das bestmögliche Erlebnis auf allen Endgeräten bieten zu können, müssen wir ihr Verhalten observieren. Dabei kommt beispielsweise Journey-Driven Design zum Einsatz. Bei diesem nutzerzentrierten Ansatz wird das Wer, das Wann und das Wie berücksichtigt, um die komplexen Bedürfnisse der User zu erkennen. Was möchten User erreichen bzw. über welche Touchpoints möchten sie welche Aufgaben erledigen? Ziel davon ist es, User Journeys zu erkennen und herauszufinden was sie erwarten, wo ihre Painpoints liegen und welche Geräte sie dabei benutzen. Erst wenn wir uns über Kontext und Bedürfnisse der User bewusst sind, können wir aus diesen Erkenntnissen entscheiden, welcher Ansatz verfolgt werden soll.

Fotografie von Wand voller Post-its
Quelle: Unsplash

Jedes Projekt ist anders und bringt andere Herausforderungen mit sich. Mobile First hat definitiv seine Vorzüge, ist aber keinesfalls ein Trend, dem man einfach so blauäugig folgen sollte. Vielmehr sind Auftrag und Ausgangslage eines Projekts ausschlaggebend dafür, welcher Ansatz für das geplante Projekt in Frage kommt. Gutes Design sollte User niemals dazu zwingen, ein bestimmtes Gerät zu gebrauchen – vielmehr muss versucht werden, ihnen auf allen Endgeräten ein angenehmes Erlebnis zu erschaffen.